Wozu #Remoodle?
Materialien, um um innovative Lehr- und Lernformen mit Moodle zu unterstützen
Start und Ziel von #ReMoodle
Ausgangspunkt
Moodle ist in den Bereichen Schule, Hochschule und Weiterbildung sehr gut etabliert und spielt als offene Bildungsinfrastruktur eine wichtige Rolle für die Förderung von Offenheit, Teilhabe und Innovation hinsichtlich von Lernen und Lehren. In der Praxis folgt die Nutzung von Moodle derzeit oft einer klassischen Kurslogik mit linearen Lernpfaden und lehrkraftzentrierter Logik. Mit digitalen Technologien sind nicht zwangsläufig innovative Didaktiken verbunden.
Genau hier setzt das Projekt ReMoodle an: Wir sammeln Konzepte, Vorlagen und Beispiele, wie Moodle anders als in der linearen Kurslogik genutzt werden kann – für offenes, kreatives, kollaboratives und stärker selbstgesteuertes Lernen. Wir haben existierende Vorarbeiten und Best Practice identifiziert, zusammengestellt, aufbereitet und zugänglich gemacht. Unser Ziel ist es, Lehrenden konkrete, direkt nutzbare Materialien zur Verfügung zu stellen, um innovative Lernformen in bestehenden Systemen zu ermöglichen. Hinzu kommen Fallberichte und Grundsatzüberlegungen, die das Verständnis des Themas schärfen.
Das Vorhaben setzt auf bereits bestehende Moodle-Funktionen auf, nutzt sie aber bewusst anders. So leisten wir einen Beitrag zu einer zeitgemäßen, partizipativen Bildung.
Problemstellung
Moodle ist als offene Infrastruktur etabliert. Gleichzeitig lenkt Moodles technische und konzeptionelle Struktur das Denken der Anwender*innen stark in Richtung der traditionellen Kurslogik: mit Anfang, Ende und vorgegebener Lernpfade. Auch wenn diese Struktur ihre Berechtigung hat, verdrängt sie alternative Lernlogiken. Moodles Grundstruktur in Kurslogik fördert nicht von sich aus automatisch die didaktische Innovation. Sie bremst selbstgesteuerte, kreative, kollaborative, projektorientierte oder nicht-hierarchische Lernformen. Vor diesem Hintergrund bleibt die Didaktik in der Nutzung von Moodle oft in traditionellen Formaten verhaftet.
Eine innovative Didaktik kann zusätzlich das Potential einer nicht-linearen Nutzung von Moodle nutzen, indem den Lernenden ein selbstorganisierter Lernprozess ermöglicht, ihre Rolle vom Konsumieren stärker in Richtung des Produzierens geöffnet und das individuelle Lernen um mehr gemeinsame Co-Konstruktion erweitert wird. Lernende werden zu Prosumenten und üben Student Agency aus.
Das Problem: Diese didaktischen Ansätze sind bisher in der Praxis zu wenig bekannt und nur verstreut auffindbar. Praktiker*innen finden keinen einfachen Zugang zu innovativer Didaktik.
Ziele und Zielgruppen
Das Ergebnis des Projektes sind konkrete Produkte, mit denen Lehrende praktisch arbeiten können: eine Sammlung von grundsätzlichen Überlegungen, Best Practices und Vorlagen für die nicht-lineare Moodle-Nutzung und -Produktion, bereitgestellt als OER und im Sinne von OEP in Form von importier- und anpassbaren Moodle-Ressourcen.
Mittelbar profitieren die Lernenden von einem breiteren didaktischen Angebot und von innovativen Möglichkeiten des Lernens. Unmittelbar richten sich die Ergebnisse an alle Lehrpersonen, die Lernangebote innerhalb des bestehenden Systems Moodle neue didaktische Wege gehen wollen, insbesondere in den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, Corporate Learning und Weiterbildung. Kernzielgruppen sind Akteure, die auf OER setzen. Gleichzeitig können die entwickelten Ansätze auch ohne die aktive Einbindung von OER – sogar ohne Kenntnis des Konzeptes OER genutzt werden. Die grundsätzlichen Ansätze lassen sich auch auf andere Systeme übertragen, da sie auf didaktischen Konzepten statt technischen Details basieren.
PS: ReMoodle ist ProMoodle!
Alle Mitwirkenden im ReMoodle-Projekte sind erklärte Fans von Moodle als offene und flexible Infrastruktur für das Lernen. Die Formulierung „ReMoodle" ist in keiner Weise als „AntiMoodle" gemeint. Auch die Abgrenzung gegenüber der Nutzung von Moodle in der traditionellen Kurslogik ist nicht als abwertende Kritik intendiert. ReMoodle will vielmehr alternative Nutzungsweisen, die bisher eher ein Schattendasein führen, stärker ins Licht rücken, ohne verschiedene Nutzungsweisen gegeneinander auszuspielen. ReMoodle ist ProMoodle!
Nachnutzung der Materialien als Open Educational Resources (OER)
Die Inhalte im Projekt ReMoodle sind freie und offene Materialien im Sinne von Open Educational Resources (OER). Das heißt: Freie Lizenzen erlauben für Jedermann und Jederfrau, auch für Organisationen, auch für kommerzielle Zwecke, dass die Materialien ohne Rücksprache kopiert und weitergegeben, verändert und überarbeitet, neu veröffentlicht und verbreitet werden können.
Für die Sammlung als solche gilt die Lizenz CC BY 4.0, siehe https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/. Als Namensnennung für die Sammlung ist „Projektteam ReMoodle / Agentur J&K – Jöran und Konsorten" vorgesehen.
Zu jedem einzelnen Material ist eine freie Lizenz direkt am Material benannt. Bitte beachten Sie bei der Bearbeitung konkretisierende oder abweichende Lizenzhinweise am konkreten Material. Die zu beachtenden Auflagen können je nach Lizenz abweichen.
Beipackzettel – Informationen für Anwender*innen von ReMoodle
DOI: Nummer folgt
Abgabeform: frei erhältlich (kostenfrei)
Darreichungsform: multimedial, Download
Packungsgröße: folgt
0. Hinweise vor Gebrauch
- Zu Chancen und Nebenwirkungen lesen Sie diese Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Admins oder in Ihren Communities.
- Bitte bewahren Sie Ihre persönliche ReMoodle-Kopie gut auf. Anwendungsfälle können unvorhergesehen und plötzlich auftreten. Möglicherweise ergibt sich der konkrete Anwendungsbedarf erst bei der konkreten Arbeit mit Moodle nächste Woche, nächsten Monat oder nächstes Jahr.
- Sie können diesen Beipackzettel vor der Anwendung von ReMoodle sorgfältig durchlesen. Sie können aber auch gleich im Inhaltsverzeichnis stöbern und direkt zu dem Thema springen, das Ihren Interessen entspricht.
- Wenn Sie Nebenwirkungen wie plötzliche Kreativitätsschübe oder erhöhte Lust auf Kollaboration bemerken, lesen Sie unbesorgt weiter.
1. Bezeichnung des Bildungspräparats
Produktbezeichnung: ReMoodle (sprich: Reh-Muh-Dell)
Wirkstoff: Offenheit, Kreativität und Kollaboration in Lernplattformen
Produktform: Sammelwerk mit Leitfäden, Vorlagen, Praxisbeispielen und Empfehlungen
2. Anwendungsgebiete
Anwendungsfelder: Schule, Hochschule, Weiterbildung, Corporate Learning und andere Lerngebiete
ReMoodle wird angewendet zur Förderung innovativer Didaktik innerhalb bestehender Moodle-Systeme. Eine Übertragung der Grundideen auf andere Lernmanagementsysteme ist möglich.
Die Anwendung von ReMoodle erfordert i.d.R. keine neuen Tools, sondern verbindet vorhandene Infrastrukturen mit frischen Ideen.
ReMoodle kann Syndrome wie übermäßig ausgeprägte Linearität von Lernpfaden und einseitig lehrkraftzentrierte Logiken zurückdrängen. Indirekt können damit möglicherweise auch zugrundeliegende Ursachen wie Verharrung in altmodischer Didaktik in Konfrontation mit digitalen Technologien positiv beeinflusst werden.
ReMoodle unterstützt die Gestalter*innen von Lernangeboten dabei, Lernprozesse offen, partizipativ, kreativ, kollaborativ und selbstgesteuert zu gestalten.
3. Gegenanzeigen
ReMoodle nicht anwenden bei chronischer Fokussierung auf eine vollständige Kontrolle über einen linearen Lernprozess!
Vorsicht geboten bei Überempfindlichkeit gegen Selbststeuerung, Kreativität, Partizipation und Kollaboration beim Lernen!
4. Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Der Einsatz von ReMoodle ist für alle Altersgruppen, sowohl bei Lehrpersonen als auch bei den Lernenden, möglich und unbedenklich.
- Die Nutzung von ReMoodle kann spontane Kreativität, erhöhte Motivation und Kursumstrukturierungsbedürfnisse hervorrufen.
- Eine begleitende Reflexion, bevorzugt mit anderen Lehrpersonen, ist nicht zwingend notwendig, kann aber den Wirkungsgrad erhöhen.
- Die Kombination von ReMoodle mit traditionellen Strukturen und Routinen kann zu temporärer Orientierungslosigkeit führen – diese gilt als normaler Anpassungsprozess und ist i.d.R. vorübergehend.
5. Wechselwirkungen
Die Wirkung von ReMoodle wird verstärkt durch:
- Austausch in Teams, Kollegien, sozialen Netzwerke und Communities of Practice
- praktischen Einsatz offener Bildungsressourcen (OER) und offener Bildungspraktiken (OEP)
- partizipative Lernformate wie Barcamps, Learning Circles oder andere Peer-to-Peer-Methoden
- paradigmatische Orientierung auf 4Ks, 21st Century Skills, Lernseitigkeit und Student Agency
Komplexe Wechselwirkungen mit geschlossenen Lernplattformen, lehrseitigen Didaktiken oder hierarchischen Unterrichtsstrukturen sind möglich. Sie können die Wirksamkeit dauerhaft beeinträchtigen, aber auch zu einer Differenzierung der didaktischen Paradigmen führen.
6. Dosierung und Art der Anwendung
ReMoodle kann, je nach Zielsetzung, in individueller Dosierung angewendet werden:
- Einzeldosis: kapitelweise, zur gezielten Inspiration oder Übernahme konkreter Inhalte
- Kur: Anwendung über mehrere Monate in kollegialen Settings und in Verbindung mit weiteren Maßnahmen
- Langzeittherapie: nachhaltige Integration in die eigene Lehrpraxis; Erweiterung und Anpassung der Inhalte
- Weiterentwicklung: Neuveröffentlichung von überarbeiteten Versionen und neuen Inhalten
7. Nebenwirkungen
Die folgenden Nebenwirkungen sind Ausdruck der beabsichtigten Wirkung und medizinisch unbedenklich.
Sehr häufig:
- spontane Ideenflut
- veränderte Perspektive auf Lernprozesse
- ansteckender Wunsch nach Kooperation
- erhöhter Diskussionsbedarf mit Kolleg*innen
Gelegentlich:
- Irritation etablierter Routinen und Strukturen
- vorübergehende Orientierungslosigkeit von Rollen- und Professionsverständnis
- zusätzlicher Klärungsbedarf hinsichtlich von Voraussetzungen und Zielsetzungen für Lernprozesse
Selten:
- prinzipielle Zweifel und Sinnfragen
- Entstehung von intra- und interpersonalen Konflikten
8. Aufbewahrungshinweise
Bei den ReMoodle-Produkten handelt es sich um Open Educational Resources (OER), also freie und offene Materialien. Diese dürfen mit anderen geteilt, verändert und weiterentwickelt werden. Bitte beachten Sie die entsprechenden weiterführenden Hinweise zu Nachnutzung und OER.
Aufbewahrung empfohlen:
- in digitaler Griffweite in der eigenen Arbeitsumgebung
- in offenen digitalen Regalen
- als Lesezeichen („Bookmark") in gemeinsamen Materialsammlungen
Weitergabe in kollegialen Communities und globalen Netzwerken möglich und erwünscht!
9. Weitere Informationen
Das Projekt „ReMoodle – Die Öffnung der Kurslogik" entwickelt Konzepte und Best Practices für eine nicht-lineare Nutzung von Moodle, um Lehrende bei der Umsetzung selbstgesteuerter und kollaborativer Lernformate zu unterstützen. Die Lösungen sind praxisnah und ohne technische Hürden in bestehende Systeme integrierbar. Alle Ergebnisse werden als offene Bildungsressourcen veröffentlicht und richten sich an Lehrende in Schule, Hochschule und Weiterbildung. ReMoodle ist ein Projekt zur Förderung offener Bildungspraktiken durch innovative Nutzung bestehender Moodle-Infrastruktur. Es zeigt Wege, wie Moodle nicht ersetzt, sondern erweitert und umgedacht werden kann.
Herausgeber: Agentur J&K – Jöran und Konsorten GmbH & Co. KG, Schmilinksystr. 45, 20099 Hamburg, Deutschland
Prozess und Produktion: Tessa Moje, Blanche Fabri und Jöran Muuß-Merholz
Herstellung: Owais Alsayed Ahmad und Tessa Moje
Grafiken: Jula Henke
Projektteam, Mitwirkende, Autor*innen: Ralf Appelt, Philip Bumiller, Marina Braun, Guido Brombach, Katrin Calcagno, Christian Haake, Nele Hirsch, Dag Klimas, Tanja Kräwinkel, Anja Lorenz, Blanche Fabri, Tessa Moje, Jöran Muuß-Merholz, Jens Schopper, Arne Sorgenfrei, Jörg Steinemann
Weitere Materialien und aktualisierte Informationen: www.remoodle.de
Finanzierung: Fördermittel aus dem Wettbewerb OE_Space des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)
„Mit dem Ideenwettbewerb OE_Space wurde im Rahmen der lernenden OER-Strategie des Bildungsministeriums ein neues Förderformat zur Stärkung offener Bildungsinfrastrukturen pilotiert. Durch die gezielte Förderung kompakter Innovationsprojekte trägt der Wettbewerb dazu bei, bestehende Lösungen zu vernetzen, zu verzahnen, organisatorische Hürden abzubauen und ein OEP-förderliches Ökosystem in der digitalen Bildung weiterzuentwickeln." https://www.oer-strategie.de/foerdern/foerderrichtlinien/oe_space/ [abgefragt am 11.10.2025]
Projekt-Maskottchen: das Axolotty
Grafik erstellt mit ChatGPT am 10.10.2025, Prompt von Jöran Muuß-Merholz bearbeitet von Jula Henke, CC0
Zugrundliegende und verwandte Konzepte
Hinweis
Die Inhalte, die unter dem Dach von ReMoodle veröffentlicht werden, stammen von einer Gruppe von Moodle-Praktiker*innen, die sich vielfältig zusammensetzen und in Schule und Hochschule, Weiterbildung und Corporate Learning beheimat sind. Alle Ausführungen sind eng mit individueller pädagogischer Praxis verknüpft, sodass kein starrer gemeinsamer Rahmen für zugrundeliegende Begriffe und Konzepte vorgegeben wurde.
Vor diesem Hintergrund ist die folgende Auflistung von häufig erwähnten zugrundeliegenden Konzepten weniger als gemeinsamer, wissenschaftlicher Kanon als vielmehr als Empfehlungen zur Vertiefung zu verstehen.
Die folgenden Begriffe wurden in den gemeinsamen Diskussionen häufig genutzt, sodass sie erste Anlaufstellen bei Interesse an den Grundlagen der Arbeit bilden können:
- OER – Open Educational Resources
- OEP – Open Educational Practices
- Lernseitigkeit und Lehrseitigkeit (nach Michael Schratz)
- Student Agency
- Partizipatives Lernen
- Kooperatives und kollaboratives Lernen
- Die 4Ks als 21st Century Skills (kritisches Denken, Kreativität, Kommunikation und Kollaboration)