Why +3 als Angebotsstruktur
Worum geht es hier?
Why + 3 stellt ein Gegenmodell zu einem klassischen Kurs-Ansatz dar, weil es nicht vorab festgelegte Inhalte gibt, die an Lernende vermittelt werden. Stattdessen wird ein Lernraum geschaffen, in dem sich eine Gruppe an Lernenden auf Basis der eigenen Erfahrungen und Interessen vertiefter in ein zuvor festgelegtes Thema einarbeitet. Es geht also um individuelles und selbstgesteuertes Lernen in einem sozialen Raum.
Wie funktioniert das in der Praxis?
Für das Lernen gibt es einen klaren Rahmen. Dieser Rahmen lässt sich in vier Bereiche unterteilen:
- Why: Warum ist das Thema für dich relevant?
- What: Was ist mit dem Thema genau gemeint?
- So what: Was bedeutet das für dich und deinen Kontext?
- Now what: Welche Schlussfolgerungen ziehst du daraus? Was könnte ein nächster Schritt sein?
Diese vier Bereiche können als zeitliche Abschnitte verstanden werden. Beispielsweise könnte jeder Abschnitt über eine Woche gehen. Das lässt sich aber natürlich beliebig anpassen.
Es bietet sich an, den Aufbau jedes Abschnitts ähnlich zu gestalten:
- mit einer Erläuterung der Frage
- mit einem Impuls (als Audio oder Video) zur Beschreibung des vorgeschlagenen Vorgehens beim Lernen
- mit einer konkreten "Anleitung" (je ungeübter die Lernenden, desto detaillierter)
- mit einer Einladung zur Reflexion über das eigene Lernen
Was ist deine Aufgabe als Lerngestalterin?
Deine pädagogische Aufgabe ist die Gestaltung des oben skizzierten Rahmens und die Begleitung des Lernens. In einem klassischen Kurs würdest du für jeden Abschnitt Inhalte zur Verfügung stellen, die dann von Lernenden erarbeitet werden. Vielleicht würdest du diese anschließend auch überprüfen. Als offenes und vom Lernen aus gedachtes Angebot gibst du stattdessen in jedem Abschnitt einen methodischen Impuls wie Lernende die Frage für sich bearbeiten können. Als Ressourcen stehen ihnen dabei das Internet mit all den darin befindlichen Inhalten und Tools (z. B. generative KI-Modelle) zur Verfügung. Zusätzlich bietest du strukturierte Räume für Austausch. Schließlich sollte auch immer für alle Lernenden transparent sein, wie sie von dir Unterstützung bekommen können.
Die genaue Ausgestaltung dieses offenen Lernangebots wird sich je nach Selbstlernkompetenz der Lernenden unterscheiden. Bei noch eher ungeübten Lernenden kann es hilfreich sein, sehr klar strukturierte Vorgaben zur Bearbeitung der jeweiligen Frage zu machen. Geübtere Lernende dürften sich hier auch weitgehend selbst organisieren können.
Wie lässt sich dieser Ansatz in Moodle umsetzen?
- Die dargestellten Bereiche der methodischen Herangehensweise (= Why? What? So what? Now what?) sind in der Moodle-Logik jeweils ein Abschnitt eines Kurses. Du kannst diese nach und nach (z. B. in einem wöchentlichen Rhythmus) freischalten bzw. von vornherein als Wochen-Format anlegen.
- Für die methodischen Impulse zu Beginn jedes Abschnitts kannst du Textfelder/Textseiten nutzen. Sehr hilfreich sind hier auch kurze Videos oder Audios zur Erläuterung.
- Zur Bearbeitung der Fragen stehen dir vielfältige Aktivitäten zur Verfügung. Insbesondere könntest du ein Glossar oder Wiki zur kollaborativen Ergebnissicherung einrichten, ein Peer-Review gestalten oder Foren für spezielle Diskussionen nutzen.
- Für den Austausch der Teilnehmenden richtest du am besten ein zentrales Forum ein, in dem jeweils die Leitfrage des jeweiligen Abschnitts aufgegriffen wird. Lernende können dann für ihre Antworten jeweils ein neues Thema öffnen und somit auch die Themen von anderen kommentieren. Sie sehen auch, ob ihre Frage bereits beantwortet wurde.
- Eine Alternative könnte (gerade für zurückhaltende Lernende) ein Einzelforum sein. Dieses ermöglicht Lernenden ihre Erkenntnisse mit sich selbst und der Lehrkraft zu teilen, ohne sie notwendigerweise direkt auch für die ganze Lerngruppe sichtbar zu machen. (Man legt dazu Gruppen an, in denen eine Person pro Gruppe ist und fasst diese Gruppen in einer Gruppierung, z.B. Einzelgruppen, zusammen. In der Forumseinstellung dann unter "weitere Einstellungen" den Modus "getrennte Gruppen" und die passende Gruppierung auswählen.)
Was sind weitere Tipps und Erfahrungen?
- Bei deinen methodischen Impulsen musst du das Rad nicht neu erfinden, sondern kannst dich insbesondere an Kreativitätstechniken orientieren, die du Lernenden vorschlagen kannst, um auf neue Ideen zu kommen. Ein möglicher Klassiker ist hier z. B. die Kopfstand-Methode. Dabei fragen sich Lernende, was die dümmstmögliche Antwort auf die jeweilige Frage wäre. Darauf aufbauend lassen sich dann mit geöffnetem Denken neue Ideen finden.
- Es bietet sich an, zum Auftakt und zum Abschluss dieses Angebots eine synchrone Phase einzuplanen. Zum Auftakt stellst du das Konzept und den Rahmen vor. Außerdem sollte Raum zur Klärung von Fragen sein. Beim Abschluss kann es darum gehen das gemeinsame Lernen zu reflektieren.
- Für die Nutzung von KI-Sprachmodellen zum Lernen kann es bei ungeübten Lernenden hilfreich sein, exemplarische Prompts vorzuschlagen, die Lernende zum eigenen Denken anregen anstatt KI in einer Abkürzungslogik zu verwenden.
Wo kann ich ein Beispiel sehen?
Im Mai 2025 fand eine EPALE-Akademie (EPALE = Europäische Plattform für Erwachsenenplanung) zum Thema Twin Transition (= Digitalisierung und Nachhaltigkeit) in diesem Format statt. Die Umsetzung erfolgte nicht in Moodle, sondern auf einer dafür eingerichteten Website. Der Ansatz lässt sich aber wie dargestellt gut übertragen.
Was kann ich weiternutzen?
Die methodischen Impulse der EPALE-Akademie können offen weiter genutzt und angepasst werden.