Making-of ReMoodle – ein Blick hinter die Kulissen eines kollaborativen Arbeitsprozesses

Sieben Fragen an Projektausdenker Jöran Muuß-Merholz


[Vorspann]

ReMoodle ist ein Projekt mit bemerkenswerten Verbindungen aus traditionellen und agilen Arbeitsweisen, mit innovativen Methoden auf der sozialen und technischen Ebene der Zusammenarbeit. Vor diesem Hintergrund teilen wir an dieser Stelle einen Blick in die Entstehungsgeschichte.


Was macht ReMoodle anders – jenseits der inhaltlichen Ausrichtung?

Wir wollten mit ReMoodle ein Projekt machen, das nicht nur innovative Lernformen beschreibt, sondern auch neue Lern- und Arbeitsweisen vorlebt. Das gilt zum einen für die technische Ebene, wo wir sehr stark digital-vernetzt und kollaborativ-cloud-basiert gearbeitet haben. Es geht aber auch um die Frage, wie wir Bezahlung, Zusammenarbeit, Reviews etc. organisiert haben.


Wer hat bei ReMoodle mitgemacht? Wie hat sich die Gruppe gefunden?

Für ReMoodle haben sich Praktiker*innen, Fortbildner*innen und Nachdenker*innen rund um Moodle zusammengetan. Ausgangspunkt war unsere eigene Arbeit in der Agentur J&K, wo die Arbeit mit Moodle zum Tagesgeschäfts gehört. Wir haben dann im nächsten Schritt Menschen angefragt, mit denen wir entweder schon häufiger zusammengearbeitet haben oder deren Arbeit wir aus der Ferne bewundert haben. Als daraus ein erstes Team entstanden war, haben wir alle Beteiligten gefragt, wer ihnen noch einfällt. Also ein kleines Schneeballsystem. 😉

Wir haben bewusst Menschen aus verschiedenen Bildungsbereichen eingeladen, also nicht nur Schule, sondern auch Hochschule und Weiterbildung. Und auch bei den Perspektiven waren wir bunt gemischt: Von Lehrkräften über Fortbildner*innen bis zu IT-Menschen. Ich bin überzeugt, dass gerade aus der mulitperspektivischen Gruppe viele interessante Gedanken entstanden sind!

Das Projektteam ReMoodle

Das Projektteam ReMoodle


Wie war der Arbeitsprozess organisiert?

In der Hauptsache haben wir asynchron kommuniziert, v.a. via Google Docs und Signal. Das erste und das letzte Treffen fanden online statt. Das Haupttreffen in der Mitte waren zwei Tage in Präsenz in Hamburg. Zu jedem der drei Treffen ging es darum, das Projekt zu einem neuen Meilenstein-Status zu bringen. Beim ersten Treffen haben wir festgelegt, wer welches Thema bearbeiten will. Beim großen Treffen in Hamburg wurden in der Hauptsache die Inhalte erstellt. Beim dritten Treffen wurden letzte Fragen zu den Inhalten geklärt. Außerdem haben wir dort Sammlungen erstellt und sortiert, auf welche Weise wer die Ergebnisse wohin weiter verteilen kann.

Hier war produktives Arbeiten möglich

Hier war produktives Arbeiten möglich. Foto von Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 4.0


Wie sah das Treffen in Präsenz aus?

Es war eine Mischung aus Workshop, Barcamp und Co-Working. Wir hatten einen tollen Workshopraum gemietet, der sich über zwei Stockwerke erstreckte. Unten hatten wir eine klassische und schöne Seminarausstattung, mit integriertem Küchenbereich für die Verpflegung. Oben sah es eher aus wie ein großes Wohnzimmer mit vielen verschiedenen Sitzgelegenheiten. Wir haben vereinbart, dass oben Stillarbeit stattfindet. Beim Eintreffen am ersten Tag gab es ein großes Plappern. Viele der Mitwirkenden kannten sich gegenseitig von ihren Arbeiten oder über Social Media, hatten sich aber noch nie in-real-life getroffen. Da gab es ganz viel Verlangen nach Kennenlernen und Austausch. Das hat sich auch am Abend noch sehr lange fortgesetzt. Aber dazwischen und am zweiten Tag sah es die meiste Zeit einfach nach produktiven Menschen aus, die an Tischen und auf Sofas, alleine und in Kleingruppen, mit Kaffee und Mate, Franzbrötchen und Obst vor sich hin gearbeitet haben.

Konzentriertes Arbeiten in gemütlichem Arbeitsraum

Konzentriertes Arbeiten in gemütlichem Arbeitsraum. Foto von Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 4.0


Wie liefen Koordination und Kommunikation online ab?

Ich glaube, dass unser kollaboratives Projektmanagement im „Backend" des Projektes wirklich sehr innovativ war. Es war ein Glücksfall, dass alle Beteiligten sehr geübt in der gemeinsamen Nutzung von Google Docs waren. Tatsächlich haben wir sowohl die Koordination als auch alle Textinhalte in einem einzigen Doc mit insgesamt 44 Tabs (also Unter-Dokumenten) miteinander geteilt. Als Organisationsteam haben wir diesen Prozess aufgesetzt und sehr stark vorstrukturiert. Wir haben den Arbeitsprozess in halbwegs saubere Pakete aufgeteilt und dann jeweils ein Briefing aufgeschrieben, in dem die nächsten Schritte erklärt und mit To-dos verbunden waren. Außerdem haben wir möglichst alles im Doc gebündelt. Typischerweise gab es eine Kurznachricht in unserer Signalgruppe: „Achtung, im Doc steht jetzt das Briefing. Klick auf diesen Link, lies dort das Briefing und die weiteren Schritte!" Im Doc war dann alles beschrieben und weiterführend verlinkt. Nach Möglichkeit haben wir das Doc nicht verlassen. Wir haben also dort auch Terminabstimmungen gemacht, alle Absprachen dokumentiert, die Inhalte ausgearbeitet, den gegenseitigen Review organisiert und umgesetzt, den Fortschritt getrackt etc. Ich glaube, wenn em Ende jetzt jemand das riesige Doc neu kennenlernen würde, wäre es eine große Überforderung. Aber für die Mitwirkenden haben wir das ja Schritt-für-Schritt aufgebaut, sodass es hoffentlich eine gute Orientierung gab.


Stichwort Geld: Wofür habt Ihr Geld ausgegeben?

Das Budget für das Projekt war mit 30.000 Euro nicht unbedingt riesengroß – aber man konnte gut damit arbeiten. Der größte Pluspunkt war die Flexibilität der Förderung. Wir hatten einen Festbetrag zur Verfügung, den wir aus eigenen Mitteln noch etwas aufgestockt haben. Das Besondere war: Es gab nicht die übliche Schubladisierung von Fördermitteln, bei der nur bestimmte Teile des Geldes für bestimmte, vorab festgelegte Posten ausgeben werden können und dabei dann auch noch bürokratische Auflagen die Flexibilität einengen. Wir haben schon sehr früh gesehen: Von dem Geld können wir die 16 Beteiligten nicht in Form von Honoraren pro Inhalt angemessen bezahlen. Wir wollten deswegen eine Arbeitsumgebung schaffen, die die Mitwirkenden als sehr wertschätzend und auch wertbringend für ihre eigene Arbeit empfinden. Wir haben also mehr Geld als typischerweise möglich und üblich ist, in den äußeren Rahmen gesteckt. Wir haben zum Beispiel ein sehr schnuckeliges Hotel an einem außergewöhnlichen Ort für die Übernachtung gebucht. Und einen wirklich großartigen Arbeitsort mit tollen Räumen und Möbeln sowie guter Verpflegung. Das ist für die Motivation sehr hilfreich gewesen, denke ich.


Was war die größte Schwierigkeit im Projekt?

Es gab eine Kluft zwischen den Projektzielen und den Erwartungen der Mitwirkenden. Das Ziel bestand darin, dass wir gute Beispiele, interessante Geschichten und hilfreiche Materialien identifizieren, aufbereiten und zugänglich machen wollten. Es ging also um Dinge, die schon in der Welt existieren, die aber noch besser bekannt, besser erklärt, besser zu finden sein sollten. Für die Mitwirkenden war es aber viel spannender, sich untereinander auszutauschen und an ihren offenen Fragen und neuen Projekten zu arbeiten. Zugespitzt: Das Projekt verlangte nach der Aufbereitung von vorhandenem Wissen, die Mitwirkenden wollten weiterdenken und neues Wissen gemeinsam entwickeln. Ich denke, am Ende konnten wir beiden Interessen gerecht werden. Aber es gibt definitiv noch Luft nach oben, wenn man diese Gruppe mit dem Auftrag für neue Entwicklungen noch einmal zusammenholen könnte!