H5P in Moodle für offenes und selbstbestimmtes Lernen nutzen
Worum geht es hier?
Das Tool H5P steht dir innerhalb von Moodle als Aktivität zur Verfügung. Es handelt sich dabei um einen technischen Rahmen, mit dem du interaktive Online-Übungen erstellen und in deine Kurse integrieren kannst. H5P eignet sich insbesondere gut für die Gestaltung von Selbstüberprüfungen. So kannst du zum Beispiel zu einem Inhalt einen Multiple Choice Test oder einen Lückentext generieren. Lernende können damit dann selbst überprüfen, ob sie den Inhalt verstanden haben. Durch die vielfältigen medialen Möglichkeiten bei H5P zur Gestaltung von Inhalten, eignet sich das Tool in diesem Sinne zum Beispiel auch gut für den Fremdsprachen-Unterricht. Hier können Drag and Drop Aufgaben oder Ähnliches gestaltet werden.
Schließlich ist H5P auch eine gute Möglichkeit für eine medial ansprechende Kursgestaltung und Präsentation von Inhalten. Ein Beispiel hierfür ist der Inhaltstyp Image Hotspots, mit dem eine Art Lernlandkarte als Überblick zum Kurs gestaltet werden kann. Lernende finden darauf die unterschiedlichen Abschnitte des Kurses grafisch dargestellt und können Schritt für Schritt eine Kurzbeschreibung und Verlinkung anklicken.
Mit diesen beiden Herangehensweisen – Selbstüberprüfung und ansprechende Präsentation von Inhalten – sind die Möglichkeiten von Moodle aber noch nicht erschöpft. Du kannst – mit etwas Kreativität – zahlreiche der Inhaltstypen auch für ein offenes und selbstbestimmtes Lernen nutzen.
Wie geht das in der Praxis?
Die technische Gestaltung und Einbindung von H5P-Inhalten zum offenen und selbstbestimmten Lernen erfolgt in genau der gleichen Art und Weise, wie du auch in einem klassischen Kurs vorgehen würdest. Das bedeutet:
- Du öffnest in deinem Kurs den Inhaltsspeicher
- Du wählst den gewünschten H5P-Inhaltstyp aus
- Du gestaltest den Inhalt.
- In deinem Kurs wählst du die Aktivität H5P aus und dann den erstellten Inhalt
- Fertig!
Hier kommen ein paar Möglichkeiten, wie sich unterschiedliche H5P-Inhaltstypen für offenes und selbstbestimmtes Lernen nutzen lassen:
- Multiple Choice zur Reflexion: Normalerweise würdest du den Inhaltstyp Multiple Choice so nutzen, dass du eine Frage und mehrere Antwortoptionen eingibst, aus der Lernende dann die richtige auswählen müssen. In einem offenen Setting würdest du stattdessen eine Frage zur Reflexion eingeben. Als einzige Antwortoption würdest du dann sinngemäß die Aussage eingeben „Ich habe die Aussage reflektiert". Wenn Lernende diese Option nach ihrer Reflexion anklicken, kann der H5P-Bestätigungsdialog dazu genutzt werden, um die dann folgenden Schritte vorzuschlagen. (Beispiel: „Super. Dann teile den wichtigsten Punkt deiner Reflexion in unserem Forum")
- Multiple Choice als Checkliste: Multiple Choice kann auch dazu genutzt werden, um Lernenden für einen Lernprozess eine Checkliste zum Abhaken zur Verfügung zu stellen. Hier können unter anderem mehrere Aktivitäten aufgelistet werden, die sinnvollerweise bewältigt werden sollen oder auch inhaltliche Aspekte, die als Grundlage bearbeitet sein sollten. Ein konkretes Beispiel wäre eine Checkliste zur Überprüfung eines Textes mit den Antwortoptionen: Schlüssigkeit der Argumente überprüft, Rechtschreibung überprüft, den Text einer mitlernenden Person zum Review lesen lassen … In den Einstellungen werden alle diese Antwortoptionen als richtig angekreuzt. Wenn Lernende dann alle ankreuzen, folgt im Bestätigungsdialog der Hinweis, dass das Lernziel damit erreicht ist. Wenn einzelne Aspekte noch fehlen, kann direkt zu den fehlenden Aspekten eine Begründung angezeigt werden, warum diese wichtig sind. Im übergreifenden Bestätigungsdialog kann der Hinweis stehen, dass man sich den Text noch einmal vornehmen soll.
- Accordion als Scaffolding-Angebot: Der Inhaltstyp Accordion wird normalerweise genutzt, um eine große Menge an Inhalten übersichtlich zum Aufklappen zur Verfügung zu stellen. Eine alternative Nutzungsform im Kontext des selbstbestimmten Lernens ist, dass sich dahinter Hinweise und Hilfestellungen zur Bearbeitung einer Aufgabe befinden. Lernende können selbst entscheiden, ob sie diese aufklappen wollen oder die Aufgabe ohne diese Hilfestellung versuchen. Dieser Ansatz ist auch bei einem Brainstorming im Sinne einer kreativen Ideenentwicklung hilfreich. Hier können zunächst alle Ideen notiert werden, die Lernenden intuitiv und spontan einfallen. Wenn der Ideen-Fluss dann versiegt, lassen sich über ein dazu erstelltes Accordion nacheinander unterschiedliche Kreativitätsimpulse aufklappen.
- Documentation Tool als Methoden-Raster: Das Documentation Tool von H5P ist dazu gedacht, ein Projekt zu reflektieren. Es können verschiedene Bereiche mit Fragen angelegt werden. Lernende können dazu Notizen eintragen und sich anschließend den Projektverlauf herunterladen. Dieser Inhaltstyp bietet sich ausgezeichnet als ein Raster für eine begleitete Anwendung unterschiedlicher Methoden an. Als Beispiel kann hier die Future Backwards Methode genannt werden, mit der ein nächster Schritt herausgearbeitet werden soll. Das Documentation Tool wäre dann so gestaltet, dass Lernende zunächst aufgefordert werden, die Ist-Situation in wenigen Stichpunkten zu beschreiben, dann würden sie reflektieren, wie es dazu kam, um anschließend in eine ideale und eine unbedingt zu verhindernde Zukunft zu blicken. Aufbauend auf diesen Reflexionen lässt sich dann ein möglicher nächster Schritt festhalten. Zu beachten ist hier, dass das Documentation Tool keine Möglichkeit zur Zwischenspeicherung anbietet. Es muss also direkt an einem Stück durchgearbeitet werden. Da es hier aber auch nur um jeweils kurze Reflexionsphasen geht, dürfte das unproblematisch sein.
- Advanced/ Complex Fill the Blanks zur Reflexion: Der Inhaltstyp „Advanced/ Complex Fill the Blanks" ist ein Inhaltstyp für Lückentexte mit Zusatzfunktionen. Unter anderem kann nicht nur eine richtige Antwort eingegeben werden, sondern mehrere Optionen zur Auswahl gestellt werden. In der klassischen Nutzung werden damit dennoch Lückentexte erstellt, die Lernende dann korrekt ausfüllen sollen, das bedeutet, dass sie die als richtig definierten Antworten auswählen oder eintippen sollen. Zugleich kann ein Lückentext aber auch ein bewusster Reflexionimpuls sein. Das ist dann der Fall, wenn in die Lücke unterschiedliche und zum Teil sogar auch gegensätzliche Eingaben eingetragen werden können und der Satz damit dann jeweils einen anderen Sinn ergibt. Ein Beispiel hierfür ist der folgende Satz mit Lücke: „Digitalisierung _____ eine veränderte Lernkultur". In diese Lücke könnte der Begriff „erfordert" genauso eingesetzt werden wie „verhindert". Oder „ermöglicht" genauso wie „erschwert". Als Reflexionanstoß kann mit dem H5P-Inhaltstyp vor diesem Hintergrund ein Lückensatz geschrieben und mehrere mögliche Vorschläge sowie die Option „etwas ganz anderes" eingegeben werden. Unter Verhaltenseinstellungen wird dann festgelegt, dass der Antwortmodus so sein soll, dass Nutzende aus der Liste auswählen können. Die Aufgabe lautet dann: „Welche Variante trifft deine Perspektive am besten oder fällt dir noch eine ganz andere Variante ein?" Mit dem Absenden der ausgewählten Antwort könnte dann der Link zu einem Forum angezeigt werden, mit dem Hinweis, dass die ausgewählte Perspektive im Forum kurz begründet werden soll.
Diese Liste ist sicherlich nicht abschließend. Vielleicht fallen dir noch andere Möglichkeiten ein, wie du H5P-Inhalte in geänderter Form nutzen kannst, um selbstbestimmtes und offenes Lernen zu fördern.
Was kann ich weiternutzen?
Für einige der obigen Vorschläge haben wir beispielhafte H5P-Inhalte erstellt. Du kannst sie dir herunterladen, in deiner Moodle-Umgebung hochladen und entsprechend anpassen:
Link zu den Beispielen: https://ebildungslabor.de/h5p-mc-als-reflexionsfrage/
Bonus-Hinweis: Der Inhaltstyp Agamotto ist – anders als viele andere H5P-Inhaltstypen – von vornherein als ein eher zur Reflexion, als zur Selbstüberprüfung gedachter Inhaltstyp angelegt. Es lassen sich hier mehrere Bilder hochladen, die eine Situation in unterschiedlichen Perspektiven darstellen. Durch diese Sammlung von Bildern lässt sich dann scrollen. Agamotto bietet sich vor diesem Hintergrund an, um zu einer Reflexion einer visuell dargestellten Veränderung anzuregen. Zum Beispiel könnten mehrere Bilder eines Gletschers im Zeitverlauf angezeigt werden, um einen Reflexionsanstoß zum Klimawandel zu geben. Oder die Umgestaltung der Verkehrsinfrastruktur einer Stadt wie Paris, um über menschliche Gestaltungsmöglichkeiten in der Stadtplanung zu reflektieren.