Lernkontext-Dateien
Worum geht es hier?
Die Idee einer Lernkontext-Datei beruht auf der Idee eines „Personal Context Manager". Hintergrund dafür ist, dass ein KI-Sprachmodell erst einmal keine Informationen zum jeweiligen Kontext der Nutzenden hat. Mit einem Personal Context Manager (= einer Datei, die mit dem KI-Sprachmodell geteilt wird) kann solch ein Kontext deshalb gleich zu Beginn des Chats eingeführt werden. Das führt dann zu passenderen und zielgerichteten Ausgaben.
Übertragen auf das Lernen bedeutet die Idee eines Personal Context Manager, dass ich meinen Lernkontext zu Beginn eines Chats deutlich mache. Ich kann also zum Beispiel inhaltliche Herausforderungen teilen, die ich angehen möchte oder schreiben, was ich bereits erfolgreich gelernt habe und woran ich anschließen will. Vor allem kann ich aber auch deutlich machen, welche Lernwerkzeuge ich nutze, welche Form von Feedback für mich besonders hilfreich ist und wie die Chats für mich besonders hilfreich sein können. Auf diese Weise kann das Lernen dann besser funktionieren. Erstens, weil ich klare Angaben mache. Zweitens und vor allem aber auch, weil ich vorab über mein eigenes Lernen reflektiere und so auf einer Metaebene vor allem auch das Lernen selbst lerne.
Wie funktioniert das in der Praxis?
Den Umgang mit Lernkontext-Dateien erlernt man am besten durch Ausprobieren und die Reflexion darüber. Als hilfreich hat sich das folgende Raster zum Vorgehen erwiesen:
- Lernende erhalten eine Vorlage für eine Lernkontext-Datei, die sie für sich ausfüllen.
- Sie laden diese Lernkontext-Datei zu Beginn eines Chats mit einem KI-Sprachmodell hoch oder fügen den Inhalt direkt in das Chatfenster ein.
- Auf dieser Grundlage begeben sie sich in einen Lernprozess in der Interaktion mit einem KI-Sprachmodell
- Während und nach der Interaktion reflektieren die Lernenden, wie ihr Lernen mit der jeweiligen Ausgestaltung ihrer Lernkontext-Datei funktioniert hat. Sie halten darauf aufbauend Änderungen und Ergänzungen in ihrer Lernkontext-Datei fest und speichern diese als neue Datei ab.
- Mit dieser geänderten Lernkontext-Datei können sie sich dann in den nächsten Chat mit einem KI-Sprachmodell begeben.
Was ist deine Aufgabe als Lerngestalter*in?
Als Lerngestalter*in unterstützt du Lernende bei der Gestaltung ihrer Lernkontext-Datei. Am besten gelingt das, indem du ihnen eine Vorlage zum Ausfüllen zur Verfügung stellst.
Außerdem unterstützt du Lernende bei der Reflexion der Nutzung ihrer erstellten Lernkontext-Datei. Dies kann im Rahmen einer Lernberatung erfolgen. Ebenso kannst du den Rahmen für sozialen Austausch bieten, in dem sich Lernende mit ihren Peers austauschen.
Wie lässt sich dieser Ansatz in Moodle umsetzen?
Für offene und nicht-lineare Kurse in Moodle kann eine Lernkontext-Datei ein ausgezeichneter Ausgangspunkt sein, denn darüber gelangt das Lernen in den Blick und Lernende werden dabei unterstützt, generative KI-Sprachmodelle in lernförderlicher Art und Weise zu nutzen. Der Kursraum wird dann zum einen zum Entwicklungs- und Austauschraum bei der Entwicklung und Überarbeitung von Lernkontext-Dateien. Zum anderen wird gemeinsam zu einem inhaltlichen Thema gelernt. Viele Vorschläge einer selbstgesteuerten Nutzung von Moodle ausgehend von den Erfahrungen, Interessen und der intrinsischen Motivation der Lernenden lässt sich unter Nutzung von Lernkontext-Dateien umso besser umsetzen. Nebenbei lernen Lernende auch praktisches Handwerkszeug kennen, das sie auch in weiteren Lernprozessen nutzen können.
Eine konkrete Form der Umsetzung für die Entwicklung und Überarbeitung von Lernkontext-Dateien ist es, eine Vorlage zur Verfügung zu stellen (siehe unten). Lernende können sich diese Vorlage kopieren, ausfüllen und dann zum Beispiel mit Mitlernenden in einem Forum teilen.
Ein alternativer Ansatz wäre es, einen individuellen Blog innerhalb von Moodle zu nutzen. Lernende könnten hier die Entwicklungen und Überarbeitungen ihrer Lernkontext-Dateien sowie die Reflexion darüber festhalten. Diese würden ihnen dann in allen Kursen der jeweiligen Moodle-Instanz zur Verfügung stehen.
Was sind weitere Tipps und Erfahrungen?
- Es ist lohnend, mit einer relativ einfachen Vorlage einer Lernkontext-Datei zu beginnen und diese bei Bedarf dann immer weiter auszugestalten.
- In der unten geteilten Vorlage sind Metadaten vorgesehen, unter denen das Datum und die Versionsnummer der jeweiligen Lernkontext-Datei festgehalten werden. Das mag auf den ersten Blick überflüssig oder übertrieben erscheinen. Es lohnt sich aber insofern, als Lernende dann über die Entwicklung ihres Lernens einen souveränen Überblick haben – und das nicht an KI-Sprachmodelle auslagern. Es ist damit auch möglich, immer wieder mit unterschiedlichen KI-Sprachmodellen in Interaktion zu gehen, was einer vielfältigen und kritisch-reflektierten Nutzung zuträglich ist.
- Perspektivisch kann es auch sinnvoll sein, für unterschiedliche Lernfelder unterschiedliche Lernkontext-Dateien zu gestalten. Je nach Lernherausforderung kann dann die jeweils passende Lernkontext-Datei genutzt werden.
Was kann ich weiternutzen?
Wenn du eine direkt ausfüll- und kopierbare Lernkontext-Datei für Lernende zur Verfügung stellen willst, kannst du in einem Textfeld oder auf einer Textseite auf HTML umschalten und den folgenden Code einfügen. Bei Bedarf kannst du die Vorlage natürlich vorab auch noch beliebig anpassen:
Code-Vorlage für Lernkontext-Datei:
<textarea id="contextFile" rows="10" style="width:100%;">
Regel: Beachte die folgenden Aspekte, es sei denn ich gebe andere Anweisungen.
Deine Rolle: Begleitung und Unterstützung bei der Bearbeitung einer Lernherausforderung
Meine Lernherausforderung: ...
Meine Rolle/ mein Kontext: ...
Bisherige Erfahrungen (Was kann ich schon in diesem Lernfeld?): ...
Zugang zu Tools: ...
Weitere Hilfemöglichkeiten, die ich nutzen kann, auf die du mich bei Bedarf hinweist: (z.B. das Internet, eine Wissensbasis, Mitlernende …)
Sprache: Deutsch
Tonalität: Per Du, Ansprache mit ..., kurzer und prägnanter Output
Vorgehen: Erfrage meinen aktuellen Stand mit meiner Lernherausforderung, kläre dann erst das grundsätzliche Vorgehen und begleite mich dann Schritt für Schritt.
Erinnere mich am Ende daran, diesen Lernkontext zu aktualisieren.
Gewünschte Art des Feedback: Motivierend und unterstützend, aber auch herausfordernd
KI-Limitationen: Fordere mich grundsätzlich zur Überprüfung von generiertem Output auf.
Metadaten: Version 1.0, Datum …
</textarea>
<button onclick="copyText()">Kopiere in die Zwischenablage</button>
<script>
function copyText() {
const textArea = document.getElementById("contextFile");
textArea.select();
document.execCommand("copy");
alert("Text wurde in die Zwischenablage kopiert.");
}
</script>
Einen praktischen Einblick in die Nutzung von Lernkontext-Dateien in der beruflichen Bildung erhältst du in diesem Beitrag im Blog von Ulrich Ivens.
Die Idee von Lernkontext-Dateien lässt sich sehr gut mit der Future Backwards Methode zur Identifizierung einer konkreten Wissenslücke verbinden.