Bewertungsfreie Kompetenzraster zur Selbststeuerung in offenen Lernsettings
Am Campus Hebebrandstraße wird Unterricht in drei Phasen eingeteilt: Fachunterricht, Lernbüro und Projektzeit. Fachunterricht und Lernbüro geben dabei Impulse, die die SuS im Projektunterricht aufgreifen und in eigene, an den SDGs (Sustainable Development Goal) orientierten Projekten umsetzen. Zur Steuerung des fachlichen Unterrichts in den Phasen nutzen wir Kompetenzraster in Moodlekursen. Jeder Moodlekurs läuft für 5 bis 7 Wochen, in denen das ausgewählte SDG für alle Fächer und das Projekt im Fokus steht. Insgesamt haben die Schülerinnen und Schüler 5 Kurse pro Jahr und daher 5 Kompetenzraster pro Fach, in denen sie für die jeweilige Einheit arbeiten, zu denen sie aber immer später auch zurückkehren können.
Wir haben uns explizit gegen die Kompetenzraster entschieden, die Moodle selbst anbietet: Der Abschluss einer Kompetenz ist hier zu stark an den Abschluss einer einzelnen Aktivität, eines Kurses oder eines Reviews durch eine Lehrkraft gekoppelt. Außerdem sind die Kompetenzrahmen kursübergreifend, was in unserem Setting als Navigationselement im Kurs nicht notwendig war.
Ansicht und Arbeit der Lernenden
Unsere Kompetenzraster sind für die Schüler auf Papier als Ausdruck einer pdf-Datei und digital als Moodle-Datenbank-Aktivität verfügbar.
Das Bild zeigt die gefüllte Datenbank eines Kurses aus Lehrersicht. Durch die Einstellung „getrennte Gruppen" sehen Schülerinnen und Schüler nur den eigenen Eintrag und eventuell einen Beispieleintrag der Lehrkraft. Durch einen Klick auf die Lupe gelangt man in die Einzelansicht.
In der Einzelansicht sieht man die Taxonomiestufen nach Bloom (Pflanzen steht für Erinnern, Wurzeln für Verstehen und Vernetzen usw.) und in den Zeilen eine Unterteilung in Themen. Diese können, müssen aber nicht, im Kurs über Banner innerhalb der Kursabschnitte wieder aufgegriffen werden, denn unsere Kurse haben als Abschnitte auch die Taxonomiestufen.
Wenn Schülerinnen ein Raster zum ersten Mal ausfüllen, legen sie einen Eintrag in der Datenbank an. Danach können sie den Eintrag immer wieder verändern und anpassen. Wir nutzen Zeit im Fachunterricht, um gemeinsam zu klären, was die einzelnen Kompetenzen bedeuten und, besonders bei Kernkompetenzen, auch zu erklären, woran man erkennt, ob man sie erreicht hat. Die Einschätzung, ob eine Kompetenz erreicht wurde, liegt vollständig in der Hand der Lernenden. Wir bezweifeln ihre Einschätzung nicht, aber wir beraten, wie sie eventuell weiter arbeiten oder sich selbst überprüfen können. Im Lernbüro wird mit den Kompetenzen aus dem Raster geplant, Schülerinnen und Schüler dürfen auch die Formulierung direkt in ihr digitales Lernjournal übertragen. Am Ende eines Lernbüros oder einer Fachstunde fordern wir dazu auf, die Kreuze im Raster gemäß eigener Einschätzung zu verändern. Je mehr Kompetenzen erreicht werden, desto dunkler grün färbt sich das Raster. Der Fortschritt der grünen Felder dient dabei als visuelle Motivation. Die Farbumsetzung ist von Alexandra Kück erstellt worden, vielen Dank dafür.
Jede Kompetenz ist ein Link, die zu einer Aktivität oder einem Kursbereich führen soll, in dem diese Kompetenz erläutert, trainiert oder geprüft wird. Bei HTML-Kenntnissen der Lehrkraft ist es möglich, mehr als einen Link zu hinterlegen.
In Einzelfällen (z.B. wenn ein Kind sich konstant unterschätzt), kann die Lehrkraft motivierende Kommentare unter dem Raster eintragen.
Vorarbeit der Lehrkräfte
Zunächst muss ein Raster geplant werden. Als Planungsgrundlage dienen an unserer Schule die Bildungspläne, das schulinterne Curriculum, die Zeugniskompetenzen des Faches und Fachbücher zum Thema. Aus diesen identifizieren wir 3-6 Themenbereiche an Kompetenzen, beispielsweise in Englisch „Hören, Sprechen, Schreiben" oder in Mathematik „Handwerk, Körper, Schrägbilder, Netze". Zu jedem Themengebiet werden die Kompetenzstufen ausformuliert, dabei ziehen wir die später im Balkenzeugnis genutzten Kompetenzen zu Rate, differenzieren sie aber gemäß Curriculum, Mindeststandards der Bildungspläne und Kompetenzen in Fachbüchern aus. Wir planen gleichzeitig ein, welche Lernleistung im Kurs gezeigt werden soll und achten darauf, dass die für die Lernleistung nötigen Kompetenzen im Raster verankert sind. Diese Arbeit ist komplex und wird im allgemeinen vom gesamten Fachteam gemeinsam in Fachsitzungen durchgeführt. Das erste Produkt ist dann ein Textdokument mit einer Tabelle. Existieren schon Raster, können diese natürlich übernommen werden.
Um die Tabelle in Moodle verfügbar zu machen, editiert eine Lehrkraft des Teams die Beschreibungen der vordefinierten Felder. (Copy-and-Paste – man muss nur darauf achten, nicht in der Zeile oder Spalte zu verrutschen.) Dazu navigiert man in den Bereich „Felder", wählt das entsprechende Feld anhand des Namens aus und klickt mittels der drei Punkten auf die Option „Bearbeiten". Dann kann man die korrekte Feldbeschreibung einfügen. In meinem Screenshot würde ich also das Feld Wurzeln des sechsten Themas bearbeiten. Wichtig ist, dass die Beschreibung verändert wird, aber nicht der Name.
Es gibt auch Felder, um die Themenbezeichnungen zu ändern und um die Links, die hinter jeder Kompetenz liegen, einzutragen.
In der Praxis werden die Links erst dann einsetzbar, wenn alle Aktivitäten im Kurs angelegt und zugeordnet sind. Der Workflow ist also: Raster entwickeln, Aufgaben und Erklärungen zu den Kompetenzen erstellen und einpflegen, dann Links im Raster setzen. Im letzten Schritt schreibt man die Schüler und Schülerinnen in den Kurs ein und ordnet sie Einzelgruppen zu. Das funktioniert so:
Im Bereich „Teilnehmer/innen" wählt man den Abschnitt Gruppen und dann dort den Button „Gruppen automatisch anlegen", nachdem man die Teilnehmer/innen in den Kurs eingeschrieben hat.
Man legt Gruppen mit einer Person pro Gruppe an. Unter der Einstellung „Gruppierung" beim automatischen Anlegen (ganz unten, über dem Button zum Speichern, ist standardmäßig eingeklappt) wählt man die Gruppierung „Einzelgruppen" bzw. man legt diese Gruppierung neu an, wenn sie noch nicht existiert. Dann speichert man und Moodle legt alle Gruppen automatisch an und sortiert die Lernenden ein. Sollen Schüler oder Schülerinnen später zum Kurs hinzu kommen, muss man ihnen eine Gruppe manuell geben, d.h. eine Gruppe anlegen, Person der Gruppe hinzufügen, Gruppe der Gruppierung hinzufügen.
In den Einstellungen des Kompetenzrasters muss unter „weitere Einstellungen" dann der Modus „getrennte Gruppen" und die Gruppierung „Einzelgruppen" ausgewählt werden.
Tipps und Tricks für Fortgeschrittene: die Links
Die Links werden dem Raster über die Feldbeschreibung der entsprechenden Felder zugewiesen.
Natürlich können auch externe Links oder Links zu vergangenen Kursen gesetzt werden, z.B. wenn etwas geübt werden soll, was schon länger bekannt ist. Es ist auch möglich, Kompetenzraster in übergeordnete Kurse zu legen und dann Links in verschiedene Unterkurse zu setzen.
Innerhalb des Kurses kann auf einzelne Aktivitäten verlinkt werden, dazu kopiert man sich in der Aktivität die URL oben aus der Browserzeile und fügt sie in die Beschreibung ein.
Es ist auch denkbar, auf Banner, Bilder oder Textfelder innerhalb des Kurses so zu verweisen, dass in einem Abschnitt (z.B. Pflanzen) weiter unten auf die Kursseite gesprungen wird. Dazu nutzt man HTML-Anker.
Hier wurde erst das Bild hinzugefügt und konfiguriert. In der Ansicht des Quelltextes sieht man, dass dem Element „div" innerhalb der spitzen Klammern eine Eigenschaft zugewiesen wurde: id="block1". Es ist egal, welchem Element man das zuweist, man muss nur innerhalb der ersten spitzen Klammer bleiben.
Nun kann man hinten an den Link, der auf den Kursabschnitt verweist (hier: https://moodle.schule.hh5297.de/course/view.php?id=80§ion=2) ein #block1 setzen, so dass sich der Link https://moodle.schule.hh5297.de/course/view.php?id=80§ion=2#block1 ergibt, und der Link wird auf das eingebundene Bild und nicht oben auf die Seite springen. Das ist hilfreich, wenn man viele Aktivitäten zu einer einzelnen Kompetenz hat.
Möchte man eine Kompetenz nicht verlinken, kann man den Link im Reiter „Vorlagen" entfernen. Das kann möglich sein, wenn Kompetenzen keine Aktivitäten erfordern, die von Lehrerseite als Aufgabenstellung, Infotext oder Ähnliches angeregt werden können. (Beispiel: Ich spreche Mitschüler*innen selbständig an, wenn ich Hilfe brauche.)
Man wählt dazu unter „Vorlagen" die „Vorlage für die Einzelansicht". WICHTIG: Nie eine andere Ansicht als die einfache Codeansicht wählen. Nur diese erhält die Funktion, dass die Felder sich einfärben.
Die rot markierten Bereich müssen entfernt werden, damit die Kompetenz in „Pflanzen, Thema 1" nicht mehr anklickbar ist.
In dieser Ansicht können auch ganze Zeilen entfernt werden: von <tr> bis </tr> reicht immer eine Zeile, es kann also inklusive der tr-Tags gelöscht werden. Wenn man das macht, sollte man sie auch aus der „Vorlage für Einträge hinzufügen" entfernen.
Möchte man nur ein Feld leer lassen, löscht man alles innerhalb von <td> bis </td>, aber nicht diese selbst.
Speichern nicht vergessen!
Weitere Ressourcen
Video: Kompetenzraster in Moodle einsetzen
Erklärvideo zur praktischen Verwendung von Kompetenzrastern in Moodle
Download: Datenbank-Vorlage mit Kompetenzraster-Beispiel