Ein Kollegium an Moodle heranführen
Die allererste Hürde ist die größte
Moodle ist weder besonders motivierend noch zugänglich für Menschen, die nicht aus eigener Motivation entschieden haben, mit Moodle zu arbeiten. Eine Schule, die flächendeckend mit Moodle arbeiten möchte, sollte diesen Umstand berücksichtigen. Es hilft, keine fertigen Kurse mit vielen Vorgaben als erstes Ziel auszugeben. Stattdessen braucht es viele kleine „Sandkästen", in denen ausprobiert werden kann.
Ausprobieren funktioniert, wenn es viele Menschen gemeinsam, gleichzeitig und ohne Ergebnisdruck erproben und es schnelle, niedrigschwellige Hilfe gibt. Wir haben den Auftakt für ein ganzes Kollegium mit 150 Personen auf einer Ganztagskonferenz gestaltet. Dafür haben wir 15 Menschen mit Rettungswesten ausgekleidet, die schon erste Schritte gehen konnten und viele kleine Fragen beantworten konnten.
Sofort Schüler*innen hinein holen
Moodlekurse erst anzufertigen und erst dann einzusetzen, wenn sie fertig und „perfekt" sind, hemmt den gesamten Prozess der Einarbeitung des Kollegiums in Moodle. Es hilft, zu verdeutlichen, dass auch unfertige Kurse im Unterricht eingesetzt werden können und wenn verdeutlicht wird, dass wirklich sehr zeitnah Schüler*innen in die Kurse geholt werden sollten. Genauso, wie der eigene Unterricht nicht immer perfekt ist, müssen auch Moodlekurse nicht perfekt sein, sollte aber permanent weiterentwickelt werden.
Erhebliche Entwicklungszeiten am Anfang einplanen
Ein Kollegium in Moodle einzuarbeiten funktioniert nicht von alleine und nicht nebenbei. Es braucht eine Kleingruppe, die diesen Prozess steuert, in engem Austausch mit der Schulleitung. Es braucht personelle Ressourcen für die Steuerung und über einen langen Zeitraum zeitliche Ressourcen für das Kollegium. Moodle einzuführen ist Unterrichtsentwicklung und braucht Zeit.
Das Gesamtsystem wird niemals fertig
Es wird keine ganz fertigen Moodlekurse geben. Sie werden sich immer weiter entwickeln. Gleiches gilt für die Struktur der Kursumgebungen. Daher lohnt es sich gerade in den ersten beiden Jahren, explizit Zeit einzuplanen, die Struktur für das kommende Schuljahr neu zu denken und mit dem ganzen Kollegium zu gestalten. Gerade zu diesen Zeiten ergibt sich häufig der Schwung „große" Kurse neu zu denken.
Es braucht (fast) alle Menschen im Kollegium dafür
Moodle als zentrales Lernmanagementsystem wird sich nur etablieren, wenn (fast) alle Kolleg*innen in die Grundfunktionen eingearbeitet sind. Es kann nur dann der zentrale Ort für Unterrichtsentwicklung sein, wenn (fast) alle dort schnell Verbesserungen vornehmen, kleine Fehler korrigieren, fehlende Schüler*innen einschreiben können etc.
Was hilft noch? - Angebote für das Kollegium
Keine Vorgaben und „Alle-Fragen-sind-erlaubt-Klima"
Es kann hilfreich sein, zu Beginn keine großen Vorgaben zu machen und die Fachschaften und Kolleg*innen erst einmal mit ihren eigenen Projekten relativ frei starten zu lassen. Ziel ist es, dass Kolleg*innen überhaupt beginnen, sich mit Moodle zu beschäftigen.
Help-Desk
Arbeitsphasen schaffen, in denen Kolleg*innen jederzeit auf Hilfe zugreifen können.
Mini-Fortbildungen
Abruf-Fortbildungen auf verschiedenen Niveaustufen.
Co-Working-Spaces schaffen
Gemeinsame Arbeitsphasen und Räume schaffen, in denen Kolleg*innen bei nettem Klima zusammenarbeiten können.
Moodle-Kaffee
Freie Termine um sich bei Kaffe und Keksen zu Moodle-Themen auszutauschen.
Peer-Tutoring unter Kolleg*innen organisieren
Kolleg*innen gut zu Ihnen passende Peer-Tutor*innen an die Seite stellen und eine Fragen-Flatrate zusichern.
Zentrale Support-Emailadresse
Schnelle Hilfe bei kleinen und großen Fragen gibt es über ein Funktionspostfach, an das alle Kolleg*innen schreiben können.
MoodleGruppe im Kollegium einrichten
Die Steuerung des Unterrichtsentwicklungsprozesses sowie die Administration der Moodle-Instanz sollte von einer Gruppe aus erfolgen. Wir haben für ein 150 Personen Kollegium eine Moodle-Gruppe mit sechs Personen.
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