Wissenslücken identifizieren mit der Future Backwards Methode


Worum geht es hier?

Die Future Backwards Methode ist ein strukturierter Rahmen, in dem Lernende für sich eine möglichst konkrete Wissenslücke identifizieren können, um diese anschließend zu bearbeiten. Für ein selbstgesteuertes Lernen ist das eine hilfreiche Grundlage. Lernende bringen in ein dann folgendes Lernangebot ein intrinsisch motiviertes und gut überlegtes Lernvorhaben mit, bei dessen Bewältigung sie (optimalerweise in einem offenen Lernformat) unterstützt werden können.

Die Methode kann in einem Flipped-Format individuell als Vorbereitung auf ein dann folgendes Lernangebot durchgeführt werden. Alternativ ist auch eine soziale Durchführung in einer Lerngruppe möglich.


Wie funktioniert das in der Praxis?

Die Future Backwards Methode bezieht sich optimalerweise auf ein konkretes Thema und beinhaltet die folgenden Abschnitte:

  1. Gestartet wird mit der Ist-Situation. Die Frage lautet: Wo stehe ich aktuell in dem Thema? Was kann ich schon? Was interessiert mich?
  2. Anschließend folgt ein Blick zurück. Die Frage lautet: Was war ausschlaggebend für die aktuelle Situation? Was habe ich wie gelernt?
  3. Darauf aufbauend wird die Idealsituation reflektiert. Die Frage lautet: Wo möchte ich irgendwann einmal hinkommen?
  4. Von der Idealsituation folgt dann die Negativ-Vorstellung. Die Frage lautet: Was wäre die schlechteste Situation? Was will ich vermeiden?
  5. Zum Abschluss wird aufbauend auf den Reflexionen zu 1 bis 4 ein konkreter nächster Schritt bzw. eine konkrete Wissenslücke identifiziert, die man weiter bearbeiten möchte.

Lernende werden nacheinander mit diesen Schritten konfrontiert, halten Stichpunkte dazu fest und können am Ende dazu eingeladen werden, ihre identifizierte Wissenslücke zu teilen.


Was ist deine Aufgabe als Lerngestalter*in?

Als Lerngestalter*in legst du das Oberthema fest, stellst den Rahmen zur Verfügung und erklärst die Durchführung. Bei Bedarf unterstützt du Lernende auch dabei. Bei einer synchronen Durchführung übernimmst du die Moderation der Methode.


Wie lässt sich dieser Ansatz in Moodle umsetzen?

Innerhalb von Moodle ist eine Durchführung der Methode als Flipped-Angebot empfehlenswert. Dies lässt sich beispielsweise als H5P-Aktivität mit dem Inhaltstyp Game Map oder dem Documentation Tool umsetzen.

Zusätzlich kann ein Forum eingerichtet werden, in dem Lernende ihre identifizierte Wissenslücke anschließend teilen können.


Was sind weitere Tipps und Erfahrungen?

  • Eine klare Eingrenzung auf ein bestimmtes Thema ist insbesondere dann sinnvoll, wenn anschließend ein gemeinsames Lernen geplant ist. Auf diese Weise können sich Lernende in Kleingruppen zusammenfinden, um ähnliche Wissenslücken zu bearbeiten.
  • Für die Durchführung der Future Backwards Methode bietet sich ein Timeboxing an. Das bedeutet, dass für jede Frage nur wenige Minuten zur Reflexion zur Verfügung stehen. Aus bisherigen Erfahrungen bietet sich hier für jeden Abschnitt ein Limit von 3-5 Minuten an. Innerhalb von moodle könnte das mit einer Zeitbegrenzung im Quiz oder mit dem H5P-Inhaltstyp Timekeeper realisiert werden. Oft ist es aber auch ausreichend, Lernenden zu empfehlen, sich selbst für die Bearbeitung jedes Abschnitts einen Timer zu stellen.

Wo kann ich ein Beispiel sehen?

Die Future Backwards Methode zur Identifizierung einer Wissenslücke war bei der LernOS-Convention 2025 „Mind the gap" die empfohlene Vorbereitungs-Aufgabe für alle Teilnehmenden. Die identifizierten Wissenslücken konnten dann während der Vor-Ort Veranstaltung bearbeitet werden.

Ein Remix dieses Ansatzes erfolgte bei den Zukunftstagen der Rentenversicherung Oldenburg-Bremen im September 2025. Auch hier war bei der Vor-Ort Veranstaltung Raum zur Bearbeitung der identifizierten Wissenslücken. Hierzu wurden Lernkontext-Dateien in Interaktion mit generativen KI-Sprachmodellen genutzt.


Was kann ich weiternutzen?

Wir haben einen weiternutzbaren H5P-Inhalt mit dem Documentation Tool erstellt, den du in deinen Moodle-Kurs importieren und für dein Thema anpassen kannst.